Motivation

Der Transportsektor auf der Straße gewinnt in der modernen Zeit immer mehr an Bedeutung. Neben Baugütern und Lebensmitteln müssen auch sämtliche anderen Waren in verschiedensten Produktionsstadien transportiert werden. Fast täglich entstehen neue Versandhandel und bestehende werden erweitert. Bereits 2012 wurden 10% aller Waren online gehandelt. Daraus ergab sich derzeit schon ein Netto-Marktvolumen von 39 Mrd. Euro mit steigender Tendenz – in einem kleinen Teilbereich.

Hinter dieser modernen Wirtschaft steckt ein riesiges und globales Netzwerk an Transportunternehmern. Täglich sind allein in Deutschland über eine Million deutsche Berufskraftfahrer/innen (BKF) auf den Straßen unterwegs, um den täglichen Nachschub nicht abreißen zu lassen und die Wirtschaft am Laufen zu halten. In der gesamten Logistikbranche wurden schon im Jahr 2012 insgesamt 2,7 Mio. Mitarbeiter beschäftigt und mit ihnen ein Umsatz von ca. 220 Mrd. Euro erwirtschaftet. Dies bedeutet Platz 3 im deutschen Branchenvergleich.

Dennoch krankt es gewaltig im deutschen Transportwesen! Die Mautstatistiken zeigen ganz deutlich, nur noch unter 60% der Transportleistungen auf deutschen Autobahnen, werden auch noch von deutschen Unternehmen gefahren. Tendenz fallend…

Auf den ersten Blick hat die EU viele Vorteile für einen reibungslosen Warenstrom und Transitverkehr geschaffen. Leider nur auf den ersten Blick, denn die Vielzahl der Abstriche, die ordentlich arbeitende Speditionen hierzulande machen müssen, schränken oftmals einen fairen Arbeitsalltag gegenüber den hier in Deutschland ansässigen BKF sehr stark ein.

Die Kabotage-Regelung lässt zu, dass Anbieter aus EU-Mitgliedsstaaten in anderen Binnenmärkten, die Waren und Produkte transportieren dürfen, dabei aber ganz andere Kosten zu Grunde legen können. Dies wird hierzulande meist von in Osteuropa ansässigen Unternehmen praktiziert. Die Gehalt- und Sozialkosten machen im Vergleich zu Westeuropa nur einen Bruchteil aus, Treibstoff wird mit einem extra großen LKW-Tank mitgeführt, das macht ein Tanken von hier teuer versteuertem Diesel unnötig, dazu sind die allgemeinen Betriebskosten um ein vielfaches niedriger. Zwar unterliegen diese Kabotage-Transporte bestimmten Beschränkungen, jedoch werden diese kaum eingehalten und sind mit einfachsten Mitteln zu umgehen.Bei kombinierten Verkehren (z.B. See/Land) gelten selbst diese Beschränkungen nicht, was bedeutet, dass im Umkreis von 50 km um einen Löschhafen jedes beliebige Unternehmen aus jedem Mitgliedsstaat transportieren darf. Dies hat bereits zu massivem Gehalt-Dumping geführt. Regionen rund um Häfen werden fast ausschließlich von ausländischen Billiganbietern bedient – auf Kosten der deutschen eingesetzten BKF.

Das alles führt dazu, dass einheimische Spediteure bei diesem ungleichen Preiskampf nicht mehr mithalten können. Bei Diesel, Maut und weiteren Betriebskosten gibt es hierzulande – auch durch den bereits heute ausgeübten Preisdruck der verladenden Industrie – schon nichts mehr einzusparen. Somit sind die Unternehmer schon fast gezwungen, am Personal zu sparen. Das bedeutet in vielen Fällen entweder der deutsche BKF fährt an der niedrigen Gehalts-Grenze oder es werden ausländische Kollegen für weitaus niedrigeren Gehälter und zu teils menschenunwürdigen Bedingungen eingestellt.

Im Umkehrschluss zu diesem ungleichen Wettbewerb versuchen nun viele hier beheimatete Unternehmen, dem enormen Preiskampf durch Verlagern des Firmensitzes in jene Mitgliedsstaaten zu beantworten, in denen geringere Arbeits-, Lohn- und Steuerabgaben anfallen. Häufig geschieht das einfach mittels fiktiver Geschäftsadressen, sogenannte Briefkastenfirmen. Diese Praktiken breiten sich weiter aus, obwohl sie seit Dezember 2011 allesamt „illegal“ sind! Und sie gefährden überdies einen ganzen Berufsstand!

Sicherlich kann man nicht alle Speditionen über einen Kamm scheren. Sicherlich gibt es auch Firmen, die trotz legaler Geschäftspraktiken noch halbwegs anständige Gehälter zahlen können. Aber immer mehr kleine und mittelständische Speditionen müssen aufgeben.

So oder so bleibt der deutsche BKF auf der Strecke.

Bereits 2014 fuhren schon ca. 50% der hier beheimateten BKF zu solch geringen Gehältern, dass diese Kollegen bei Erreichen des Rentenalters zwangsläufig zu SGB ll/Hartz IV-Aufstockern werden. Dies wiederum schädigt die Sozialkassen und somit auch die Allgemeinheit. Und die Verarmung der BKF und des Sektors wird weiter fortschreiten, wenn hier nicht ein Riegel auf ruinöse Praktiken vorgeschoben wird, da die Rentabilität sich nur auf Dumping aufbaut. Das muss von der EU sofort nachhaltig unterbunden werden. Allerdings mit welcher Lösung ?

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