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Fernfahrer Realität

Überfüllte Parkplätze, Stress, immer mehr Arbeit schlechte Bezahlung und wenig Anerkennung – so sieht der Alltag vieler Fernfahrer heute aus. Das muss sich ändern, damit das Nachwuchsproblem gelöst wird.
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Das Gefühl von Abenteuer und Freiheit erleben, so wie es viele  aus der Serie “Auf Achse” mit Manfred Krug als Fernfahrer kennen, ist heutzutage im Bereich der Träume gelandet, obwohl immer noch viele mit einer solchen Vorstellung den Beruf des Brummifahrer damit verbinden. . Doch die Realität sieht anders aus. Gegängelt von einem undurchsichtigen Dschungel an Gesetzen und unkontrollierbaren Verordnungen  bezüglich Fahrtenschreibern, Ruhezeiten, macht aus dem Fahrer von heute einen “Juristen”, wenn er nicht ständig zur Kasse gebeten werden will. Kostendruck und Billig-Konkurrenz aus Osteuropa tragen ein Übriges zum Dauerstress der fahrenden Zunft bei. Trotzdem würde sich einer Umfrage zufolge immer noch mehr als jeder zweite Fahrer erneut für seinen Beruf entscheiden.

Aufden ersten Blick scheint das ambivalente Verhältnis, das viele Fernfahrer zu ihrem Beruf empfinden, durch eine erstaunliche Wirklichkeitsnähe gekennzeichnet zu sein. Einerseits finden sich empirische Indizien, um dieTransportarbeit im  Straßengüterverkehr als höchst riskant und belastend einzustufen. Andererseits betonen viele Fahrer aber die befriedigenden und lustvollen Momente ihrer Arbeitstätigkeit, irgendwo zwischen Mythos und Realität.

Jedoch wird die Branche durch ein latentes Nachwuchsproblem vor eine harte Aufgabe gestellt: 40 Prozent der Fahrer sind 50 Jahre und älter und gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Die Zahl der Auszubildenden ist viel zu gering, um diese Lücke zu füllen. Die Arbeitsbedingungen, die Bezahlung und auch das Image und die Anerkennung müsste sich deutlich verbessern, um Nachwuchs im eigenen Lande zu bekommen. Unzufrieden sind vor allem Fahrer im internationalen Fernverkehr, die durchschnittlich 260  Stunden pro Monat arbeiten.

Ein Zitat eines Fahrers:
Hans-Dieter B.. “Lange fühlte ich mich wie der kleine Pilot in der großen weiten Welt”. “Man war noch was und hat gutes Geld verdient”, erinnert er sich.  “Wir sind doch nur noch die Idioten, die die Autofahrer dabei hindern, ihre Freiheit auszuleben. Man ist doch nichts mehr wert”, glaubt er.

Essen, Trinken, Toiletten – alles viel zu teuer

Heute ist der klassische Fernfahrer Selbstversorger aus dem eigenen Bordrestaurant,  denn das Essen in den Raststätten kann man sich längst nicht mehr leisten.  Die unangepassten Spesen reichen vorne und hinten nicht mehr und werden vielfach schon längst zum Nettolohn hinzugerechnet. “2,80 Euro für einen Pappbecher Kaffee sind einfach nicht drin”. Manchmal erreicht man nur noch  mit Glück einen Parkplatz oder eine Raststätte innerhalb der gesetzlichen Fahrzeit. Und dann muss man auch noch mit der Furcht leben und schlafen überfallen zu werden. Ganz abgesehen von dem teilweise unerträglichen Lärm der BAB, der einen manchmal nicht zur Ruhe kommen lässt. Hier muss definitiv nachgebessert werden, für uns Fahrer.

Das Familienleben kommt natürlich auch zu kurz, was aber Berufsbedingt dazu gehört.

Man beobachtet schon seit einigen Jahren, dass immer mehr Kollegen aus  den Ländern Osteuropas unterwegs sind. Dort ist der Überlebnskampf im “sozialen Nirvana” noch wesentlich schärfer als bei uns. Deswegen ist es auch leichter die Fernfahrer dieser Länder nach Strich und Faden auszunutzen, und die soziale Not so in bare Münze zu verwandeln.  “Es wird der Tag kommen, an dem nur noch jeder zweite Arbeitsplatz von einem Deutschen besetzt ist”, prophezeit auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, Karlheinz Schmidt.

BKrFQG Schulungen aus eigener Tasche

Die Gründe liegen auf der Hand: “Schlechte Arbeitsbedingungen, geringe Löhne und die fehlende gesellschaftliche Anerkennung des Fahrerberufs”. Schon die Kosten für den Führerscheinerwerb sind mittlerweile eindeutig zu hoch. Bei einem zu erwartenden Bruttolohn von 1500 € bis ca. 2500 €, plus diversen Nachschulungen und Tests aus eigener Tasche zahlen zu müssen, macht den Beruf nicht grade attraktiver. Prof. Dr. Karlheinz Schmidt vom BGL fordert, dass die Fahrer ein angemesseneres Arbeitsumfeld bekommen. Das fange schon bei den Parkplätzen an, die nur unzureichend vorhanden seien. Und an den Rampen der Händler passiere es, dass den Fahrern statt einer Toilette ein Busch gezeigt wird. “Das ist einer mitteleuropäischen Zivilisation nicht würdig.”

danke lkw fahrer